In den letzten Jahren ist der Kulturabbau in Deutschland rasant vorangeschritten. Das Fotoprojekt „Kunstverlust“ will sich nun für den Erhalt der kulturellen Vielfalt und gegen deren Abbau einsetzen.
Wenn in Kommunen, Städten und Staatskassen das Geld fehlt, wird häufig als erstes in den Bereichen Kunst und Kultur gespart. Das mag im ersten Moment logisch und vielleicht sogar richtig erscheinen, sollten doch Bereiche wie Gesundheit und Bildung keineswegs vernachlässigt werden – dann doch lieber bei der Kultur sparen, oder? Nicht unbedingt, denn wenn man das Ganze ein wenig hinterfragt, entpuppt sich der Kulturabbau als Trugschluss und fataler Fehler. Schon alleine weil die kulturelle Bildung ja ebenfalls Teil des großen Bereiches „Bildung“ ist.
Das Projekt „Kunstverlust“
Diese Meinung vertreten tausende von Menschen in der Bundesrepublik, unter ihnen auch die Studenten Simon Höfele und Florian Wetzel. Sie haben das Fotoprojekt „Kunstverlust“ ins Leben gerufen, bei dem Menschen verschiedener Altersgruppen abgelichtet werden und in Kombination mit einem Statement und ihrer persönlichen Meinung dem Projekt ein Gesicht geben und sich gegen den Kulturabbau einsetzen. Das Ziel des Projekts in drei Worten: KunstLust statt KunstVerLust.

Martin Ostertag, Professor für Violoncello und ehemaliger Solocellist beim SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
Probleme des Kulturabbaus
Und dass dieser Kulturabbau wirklich existiert und viele Menschen vor existenzielle Probleme stellt, zeigen uns beispielhaft drei Fakten:
- Eine Untersuchung des Deutschen Musikrates aus dem Jahre 2012 hat ergeben, dass an Grundschulen insgesamt bis zu 80 Prozent des Musikunterrichts ausfällt. Auch an weiterführenden Schulen sind Kunst- und Musikunterricht oft nur optional.
- 1992 gab es in Deutschland 168 Orchester, heute gibt es nur noch 131. Damit sind in den letzten Jahren in diesem Bereich hunderte von Arbeitsplätzen verloren gegangen.
- Viele hochqualifizierte Künstlerinnen und Künstler leben am Existenzminimum. Mehr als die Hälfte aller Schauspieler verdienen jährlich weniger als 20.000 Euro brutto. Bei Musikschullehrern sind es jährlich sogar nur 12.404 Euro – ebenfalls brutto.
Die Bilder
Bei den Bildern fällt sofort ins Auge, dass sie alle in schwarzweiß gehalten sind und keiner der Betroffenen lächelt. So soll die Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit der Porträtierten verdeutlicht werden, gleichzeitig haben sie aber auch die Möglichkeit, in Form eines Statements auszudrücken, warum Kunst und Kultur für sie unverzichtbar sind. Die Tatsache, dass unter hunderten Aufnahmen bisher kein Statement dem anderen glich, zeigt uns, welch persönlichen Bezug ein jeder von uns zur Kultur hat. Es ist etwas Individuelles, prägt unser Gesicht und stellt erst die eigentliche Identität unserer Gesellschaft dar. Deshalb lohnt es sich auch, sich für den Erhalt von Kunst und Kultur sowie den Erhalt der kulturellen Bildung einzusetzen.
Wir alle müssen erkennen, dass sich Kunst und Kultur finanziell zwar nicht immer rechnen, aber auf jeden Fall auszahlen!
Große Erfolge für das Projekt
Dass das Projekt in den letzten Wochen rasant gewachsen ist und große Zustimmung und Unterstützung erfährt, zeigt die Tatsache, dass in den letzten Wochen auch namenhafte Persönlichkeiten wie beispielsweise Claudia Roth (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages), Mathias Richling oder Götz Alsmann vor der Kamera standen. Fotoshootings mit weiteren Politikern verschiedener Parteien sowie Künstlern und Freunden der Kultur sind bereits geplant. Außerdem hat Simon im Gespräch mit Photografix erzählt, dass gerade Vereinsgründung, Erstellung einer eigenen Webseite und Dreh eines Imagefilms in Arbeit sind. Auch würden die beiden ihre Bilder gerne früher oder später in einer großen Ausstellung präsentieren, da dort die Wirkung natürlich deutlich besser zur Geltung kommen würde. Dafür werden derzeit Sponsoren gesucht.

Claudia Roth MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
Zum Fotografieren haben sich Simon und Florian ein kleines portables Studio angeschafft, dabei kommen zwei Stative mit einer Leinwand, ein Blitz mit Softbox von oben sowie eine Canon EOS 5D Mark III in Kombination mit einem 85mm f/1.8 Objektiv zum Einsatz.
Wer das Projekt unterstützen, Informationen einholen und die zukünftigen Entwicklungen weiter verfolgen möchte, stattet der Facebookseite von Kunstverlust einen Besuch ab. Dort gibt es natürlich auch weitere Bilder.

Mine, Musikerin und Komponistin

Iris Berben, Schauspielerin und Präsidentin Deutsche Filmakademie e.V.

Mario Venzago, Dirigent

Götz Alsmann, Musiker, Moderator und Unterhaltungskünstler
Quelle Bilder: © Kunstverlust (used with permisson)
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