DSLR oder DSLM? Wo liegen die entscheidenden Unterschiede, welches sind die Vor- und Nachteile der beiden Systeme? Wir stellen gegenüber.
Vor rund fünf Jahren waren Spiegelreflexkameras noch das A und O. Und wer auf hohem Niveau fotografieren wollte, der kam um den Kauf einer DSLR nicht herum. Doch seit einigen Jahren haben die Spiegelreflexkameras nun ernsthaft Konkurrenz bekommen, durch die spiegellosen Systemkameras (kurz: DSLMs) nämlich. Diese hatten in den ersten Monaten und Jahren zwar noch mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen, haben zuletzt aber kräftig aufgeholt und sind den DSLRs inzwischen teilweise sogar überlegen. Aus diesem Grund stellen sich viele Kunden vor dem Kauf einer neuen Kamera die Frage: DSLR oder DSLM?
Inhaltsverzeichnis dieses Artikels:
Wir wollen zunächst einmal ganz kurz auf den einen entscheidenden Unterschied zwischen DSLR und DSLM eingehen. Und dieser Unterschied ist im Grunde ziemlich schnell auf den Punkt gebracht: Spiegelreflexkameras verfügen über eine Spiegelkonstruktion im Inneren, spiegellose Systemkameras – wie der Name schon sagt – nicht. Was genau das für die DSLRs bzw. DSLMs bedeutet und welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Bauweisen mit sich bringen, das soll im Folgenden geklärt werden.
Beginnen wir mit einem Unterschied, der bei der Frage DSLR oder DSLM und beim Betrachten verschiedener Modelle vermutlich als erstes ins Auge fällt: Eine spiegellose Systemkamera ist kleiner als eine Spiegelreflexkamera und dementsprechend auch leichter. Auch die Objektive sind häufig etwas kompakter. Der Grund dafür liegt auf der Hand: DSLMs verzichten wie schon erwähnt auf die aufwendige Spiegelkonstruktion im Inneren, wodurch eine kompaktere Bauweise möglich ist.
Die geringere Größe ist in vielen Fällen ein großer Vorteil. Wer häufig den ganzen Tag mit seiner Kamera unterwegs ist, freut sich über das geringere Gewicht und die kleinere Kamera, die einfach mobiler ist und auch ein eine kleinere Tasche passt. Doch es gibt Ausnahmen: Menschen mit extrem großen Händen beispielsweise empfinden DSLMs hin und wieder als zu klein. Auch bevorzugen manche wirklich große und massive Griffe, mit denen die Spiegellosen oftmals nicht aufwarten können.
Kommen wir nochmal zu dem eingangs erwähnten „entscheidenden Unterscheidend“ in Sachen Bauweise zu sprechen: Welchen Sinn und Zweck erfüllt die Spiegelkonstruktion im Inneren einer DSLR eigentlich? Wenn wir es mal ganz vereinfacht ausdrücken wollen, dann fällt das Licht beim Benutzen einer Spiegelreflexkamera durch das Objektiv und trifft dann im Inneren auf eine Spiegelkontruktion, welche das Licht (und somit das Bild) reflektiert und in den optischen Sucher leitet. Wenn wir durch den Sucher schauen, sehen wir also das „echte“ Bild des Geschehens vor der Linse. Wenn man nun den Auslöser betätigt, klappt der Spiegel kurz hoch und das Licht fällt nicht mehr in den optischen Sucher (dieser wird kurz schwarz), sondern auf den Sensor, wo das Bild dann erfasst und sozusagen gespeichert wird.
Bei einer DSLM fehlt diese ganze Spiegelkonstruktion. Aber trotzdem haben viele spiegellose Systemkameras einen Sucher zu bieten – wie kann das sein? Ganz einfach, es handelt es hier nicht um einen optischen Sucher, der ein „echtes“ Bild zeigt, sondern um einen elektronischen Sucher (kurz: EVF). Dieser elektronische Sucher ist im Grunde nichts anderes als ein kleines Display. Bei einer DSLM fällt das Licht nicht auf den Spiegel, sondern direkt auf den Sensor, wo das Bild vereinfacht ausgedrückt „verarbeitet“ und dann wieder in digitaler Form auf dem EVF ausgegeben wird. Es ist also ein künstlich erzeugtes und kein echtes Bild.
Wer eine DSLR mit Live-View-Modus sein Eigen nennen kann, der verfügt im Übrigen gewissermaßen auch über eine „spiegellose“ Kamera. Denn das Display auf der Rückseite ist im Grunde nichts anderes als das Display eines EVF – vom gewaltigen Größenunterschied mal abgesehen. Und im Live-View-Modus wird die Spiegelbox einfach hochgeklappt und es wird (wie bei einer DSLM auch) das Bild auf dem Sensor verarbeitet und dann auf dem Display ausgegeben.
Über den Sinn und Zweck der Spiegelbox und die grundlegenden Unterschiede zwischen optischem und elektronischem Sucher haben wir nun also gesprochen. Doch was ist denn nun die bessere Wahl bei der Frage DSLR oder DSLM: OVF oder EVF? So ganz allgemein kann man das nicht sagen, denn beide kommen mit Vor- und Nachteilen daher. So sieht man beispielsweise in einem elektronischen Sucher das Bild in der Form, in der man es später auch auf seiner Speicherkarte wiederfinden wird. Das heißt: Wenn man Einstellungen wie zum Beispiel die ISO-Empfindlichkeit verändert, sieht man im Sucher auch gleich, wie sich das auf das Bild auswirken wird. Bei einem optischen Sucher ist das nicht der Fall – logisch, hier schauen wir ja sozusagen nur in einen Spiegel und nehmen das Motiv vor der Linse so wahr, wie wir es mit unserem menschlichen Auge eben erfassen. Nur eben aus der Perspektive der Kamera.
Das ist in den meisten Fällen ein klarer Vorteil für die elektronsichen Sucher, auch wenn manche Fotografen noch die „echten“ Bilder eines optischen Suchers bevorzugen, da dieser gelegentlich schärfer und heller ist und mit einer besseren Abbildungsqualität überzeugen kann. Zudem hat der optische Sucher einen generellen Geschwindigkeits-Vorteil auf seiner Seite. Denn bei einem elektronischen Sucher muss das Bild wie bereits erklärt erst verarbeitet und auf dem kleinen Display ausgegeben werden – das kann bei manchen Suchern zu minimalen Verzögerungen und sogenannten Lags führen. Inzwischen haben sich vor allem die EVFs von teureren spiegellosen Systemkameras aber so stark verbessert, dass keine Lags mehr sichtbar sind. Generell gilt aber: Wer im Sports-, Action- oder Wildlife-Bereich fotografiert und seine Kamera oftmals schnell bewegt, ist ganz allgemein mit einer DSLR besser beraten (auch wegen der Unterschiede beim Autofokus, siehe Erläuterungen weiter unten). Doch natürlich muss man auch stets die einzelnen Modelle beurteilen. Wie gesagt, es gibt inzwischen auch extrem schnelle und verzögerungsfreie elektronische Sucher. Auch spielen Vergrößerung und Bildfeldabdeckung eine entscheidende Rolle.
Ob man einen OVF oder einen EVF und damit DSLR oder DSLM bevorzugt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Doch in der günstigeren Klasse bis sagen wir 500 Euro haben die Spiegelreflexkameras die Nase vorne. Schon alleine weil viele DSLMs in dieser Preisklasse überhaupt keinen Sucher besitzen. In etwas höheren Preisklassen ist in den Augen vieler aber der elektronsiche Sucher mit all seinen Einblendungen und der Möglichkeit, das fertige Bild mit Berücksichtigung der Einstellungen anzeigen zu lassen, die bessere Wahl. Hier muss man aber stets den Sucher jedes einzelnen Modells betrachten. Absolute Profis bevorzugen dann aber gelegentlich auch wieder OVFs – ihr seht, hier sind die Geschmäcker doch sehr verschieden.
Für viele Fotografen ist eine ausgezeichnete Bildqualität ein äußerst wichtiges Kriterium, über das wir natürlich auch im Vergleich DSLR vs. DSLM sprechen müssen. Und es ist ein Punkt, den wir erstaunlich schnell abwickeln können. Denn egal ob DSLR oder DSLM, Unterschiede in Sachen Bildqualität gibt es ganz grundlegend nicht. Die Bildqualität hängt nämlich in erster Linie vom verbauten Sensor, den Megapixeln und der Sensor-Größe ab. Und sowohl DSLRs als auch DSLMs können mit großen oder kleinen Sensoren arbeiten, da gibt es keine Einschränkungen bei einem der beiden Systeme. Im teuren Vollformat-Bereich ist die Auswahl bei den DSLRs aktuell aber noch etwas größer.
Größere Unterschiede bei der Beantwortung der Frage DSLR oder DSLM gibt es dann aber wieder beim Autofokus. Hier gibt es zwei verschiedene Technologien: Phastendetektions-AF und Kontrast-AF. Spiegelreflexkameras arbeiten mit einem Phasendetektions-AF, der schneller ist als ein Kontrast-AF und vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen zuverlässiger seine Dienste verrichtet. Vor einigen Jahren noch gab es ausschließlich DSLMs mit Kontrast-AF, was ein klarer Vorteil für die DSLRs war. Diese setzen nämlich auf ein zusätzliches Autofokus-Modul im Kamera-Gehäuse (in dem der Phasen-AF untergebracht ist), mit welchem die DSLMs nicht aufwarten konnten.
Doch seit einiger Zeit verbauen die Hersteller teurer spiegelloser Systemkameras ebenfalls Phasendetektions-Messfelder – und zwar auf dem Sensor selbst! Oftmals gibt es sogar zusätzlich zu den Phasen-AF-Messfeldern auch Kontrast-AF-Messfelder – das Ganze nennt sich dann Hybrid-Autofokus. In Bezug auf die Geschwindigkeit gibt es nun in den teureren Preisbereichen also keine Vorteile mehr für die DSLRs. Trotzdem fühlen sich Wildlife- und Sport-Fotografen häufig mit DSLRs wohler, auch wegen der höheren Zuverlässigkeit bei schlechten Lichtverhältnissen. Videographen werden aber in aller Regel DSLMs bevorzugen, da diese hier eindeutig diverse Vorteile auf ihrer Seite haben. Auch haben die Spiegellosen häufig mehr Messfelder zu bieten.
Doch gehen wir noch etwas genauer auf die gerade angesprochenen Video-Funktionen – und speziell den Autofokus bei Videoaufzeichnungen – ein. Warum kann man in diesem Bereich die Frage DSLR oder DSLM ganz klar mit „DSLM“ beantworten? Nun, lassen wir nochmal kurz Revue passieren, was wir etwas weiter oben in diesem Artikel beschrieben haben:
Im Live-View-Modus wird die Spiegelbox nämlich einfach hochgeklappt und es wird (wie bei einer DSLM auch) das Bild auf dem Sensor verarbeitet und dann auf dem Display ausgegeben.
Das Bild wird im Live-View-Modus also ausschließlich auf dem Sensor selbst verarbeitet und damit steht dann leider auch das zusätzlich verbaute Autofokus-Modul mit dem flotten Phasendetektions-AF nicht zur Verfügung. Vielmehr können DSLRs dann nur noch mit dem oft lahmen Kontrast-AF des Sensors arbeiten. Es macht also in Sachen Autofokus als Nutzer einer DSLR einen großen Unterschied, ob man mit dem Sucher oder im Live-View-Modus fotografiert – für alle, die das noch nicht wussten.
Wenn man mit einer Spiegelreflexkamera ein Video aufzeichnet, muss der Spiegel ebenfalls hochgeklappt werden, genau wie im Live-View-Modus. Logisch, es wird ja dauerhauft ein Bild aufgenommen. Das heißt aber, dass hier wieder nur der Kontrast-AF, der auf dem Sensor selbst zu finden ist, zur Verfügung steht. Spiegellose Systemkameras haben wie bereits erwähnt den Vorteil, dass der Phasen-AF auf dem Sensor selbst verbaut wird. Das heißt dieser steht auch bei Video-Aufzeichnungen zur Verfügung – klarer Vorteil für die DSLMs! Des Weiteren können Spiegellose aktuell auch mit höheren Auflösungen umgehen, Stichwort 4K.
Der flottere Autofokus bei Video-Aufzeichnungen ist eine tolle Sache, doch gerade Profis werden häufig manuell fokussieren, was diesen Vorteil wieder relativiert. Und aus der Sicht von Profis (egal ob Videograph oder Fotograf) haben dann Spiegelreflexkameras wieder einen Vorteil auf ihrer Seite. Hier gibt es nämlich eine größere Auswahl an Objektiven. Und zwar eine deutlich größere Auswahl. Zudem gibt es ganz allgemein deutlich mehr Zubehör für DSLRs, auch zu vergleichweise erschwinglichen Preisen. Das ist also ein klarer Vorteil für die Spiegelreflexkameras, allerdings sollte hinzugefügt werden, dass viele spiegellose Systemkameras inzwischen auf ein mehr als ausreichend großes Sortiment an Objektiven zurückgreifen können. Der Ruf ist hier oftmals schlechter als das eigentliche Angebot. Und wer sowieso „nur“ zwei oder drei gewöhnliche Objektive benötigt, kann sowieso ohne Probleme zu einer DSLM greifen.
Bei einer Spiegelreflexkamera muss vor jedem Bild der Spiegel bewegt werden, bei einer Spiegellosen nicht. Ihr ahnt es also schon: So ergibt sich allgemein ein Geschwindigkeitsvorteil für die DSLMs. Was natürlich nicht heißt, dass einzelne DSLRs nicht schneller als bestimmte DSLMs sein können.
Ebenfalls ein Vorteil einer DSLM: Es kann zusätzlich zum mechanischen Verschluss auch ein elektronischer Verschluss genutzt werden. So sind oftmals noch kürzere Verschlusszeiten möglich, auch ist das Auslösegeräusch deutlich leiser. Manche Modelle geben optional sogar überhaupt keine Geräusche mehr von sich, was vor allem für Hochzeits- oder Konzertfotografen interessant sein könnte.
Lesetipp: Die Sony A7r II gehört aktuell zu den besten DSLMs auf dem Markt, die Canon EOS 5DS zu den besten DSLRs. Unser Vergleich zeigt, welche Kamera die Nase vorne hat.
Wenn man den unwissenden Kunden fragt, ob das Gehäuse von DSLR oder DSLM wohl hochwertiger ist, werden sich viele vermutlich instinktiv für die DSLR entscheiden. Das liegt einfach daran, dass sie größer und somit robuster erscheint. Die Betonung liegt hier aber auf „erscheint“, denn Spiegellose können genauso robust und hochwertig verarbeitet sein wie Spiegelreflexkameras. Auch wetterfeste Modelle findet man in beiden Lagern.
Abschließend in unserem Vergleich DSLR oder DSLM noch ein eher unwichtiges Merkmal: Die Akkulaufzeit. Hier hat eine DSLR im Vergleich zur DSLM die Nase vorne, denn hier muss dank OVF kein elektronischer Sucher mit Strom versorgt werden. Wer also mit einer DSLM fotografiert und den ganzen Tag unterwegs ist, zum Beispiel bei einer Hochzeit oder bei einem Ausflug, sollte sich unter Umständen einen oder mehrere Ersatzakkus zulegen.
DSLR oder DSLM kaufen? Ganz allgemein kann man diese Frage nicht beantworten. Beide Systeme haben Vorteile auf ihrer Seite und wir sind überzeugt davon, dass beide Systeme noch viele Jahre nebeneinander existieren werden. Die Spiegellosen haben in den letzten Jahren deutlich aufgeholt und haben in vielen Punkten die Nase vorne, zum Beispiel in Sachen Bauweise, Video, elektronischer Sucher und teilweise auch beim Autofokus. Doch auch die DSLRs können nach wie vor ihre Stärken ausspielen: Optischer Sucher, große Auswahl an Objektiven, zu Teilen zuverlässigerer Autofokus. Jeder Fotograf sollte sich vor dem Kauf einer neuen Kamera also überlegen, welches die für ihn persönlich wichtigen Merkmale sind. Zudem sollte man sich einige Fragen stellen:
Ihr seht schon, das ist keine einfache Entscheidung ob DSLR oder DSLM. Für viele spielt sicherlich auch eine Rolle, dass spiegellose Systemkameras irgendwie „neuer“ sind. Und das muss man noch nicht mal rational belegen und begründen können, warum das Bauchgefühl aus diesem Grund vielleicht eher zu einer Spiegellosen tendiert. Denn in erster Linie soll das Fotografieren (und das Nutzen der (neuen) Kamera) ja eines machen – Spaß nämlich.
Abschließender Hinweis: Die Erläuterungen in diesem Artikel mögen aus technischer Sicht unter Umständen nicht immer zu 100 Prozent korrekt sein – doch das sollte hier nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr ging es uns um eine verständliche Erklärung, nicht darum, die komplizierte Bauweise von Kameras bis ins kleinste Detail korrekt zu beschreiben. Sollte sich aber doch ein grober Fehler eingeschlichen haben, hinterlasst gerne einen Kommentar.
Und überhaupt, wie ist eure Meinung? DSLR oder DSLM? Wir freuen uns über viele Meinungen und Anregungen!